Ankommen in der Rente - was für ein schwieriger Schritt
Nach langem möchte ich mal wieder über ein einschneidendes Lebensereignis schreiben, das mich sehr viel emotionale Kraft kostet.
In meinem fortgeschrittenen Alter lässt es sich leider nicht vermeiden, dass man irgendwann aus dem Arbeitsleben ausgegliedert wird. Man selbst fühlt sich noch leistungsfähig, will - nicht mehr ganz so ungestüm wie die jüngeren Menschen - aber man will noch zum normalen Leben beitragen. Das ist in unserer Leistungsgesellschaft gar nicht so einfach.
Mein Arbeitgeber hat mir, nach vollendetem 68 igsten Lebensjahr, noch ein Jahr im Minijob genehmigt. Also konnte ich nur bis 69 arbeiten, danach war Schluss. Ich frage mich, wo die Menschen, die bis 70 zukünftig arbeiten sollen, dann beschäftigt werden. Im Ehrenamt, da sieht man uns Alte, aber selbst da werden die vielen rüstigen Babyboomer nicht gebraucht.
Ich gehöre zu den Rentnern, die eigentlich noch was dazuverdienen sollten, damit ich auch was unternehmen kann, aber Ehrenamt ist nicht bezahlt. Trotzdem suchen viele eine sinnvolle Aufgabe, um nicht ganz ausgeschlossen zu sein. Ich habe mich sofort bei der Hilver App in unserem Ort engagiert, aber da gibt es mehr Helfer wie Ratsuchende, so dass es nie zu Einsätzen kommt, es sei denn die Gemeinde gibt mir Sondereinsätze. Auch im Ehrenamt ist es nicht so einfach, was passendes zu finden.
Dann gibt es ja viele Angebote für Ältere (zu denen ich auch gehöre, obwohl ich mich nicht so empfinde) wandern, reisen, Vorträge, Frauenakademie, Beschäftigungsnachmittage... hmm. 👵Meine Welt ist das nicht unbedingt, ich bin immer noch gewöhnt, dass ein Tag produktiv sein muss. Als Dozentin an der Frauenakademie ist das ja auch gegeben, aber selbst als Teilnehmerin hin zu gehen, das wäre nicht meine Welt. Mir kommen (emotional) all die Angebote als Beschäftigungstherapie für rüstige, im Grunde überflüssige alte Menschen vor. Ich weiß, dass viele es auch genießen, keine Verantwortung mehr und viel Freiheit zu haben. Für mich, vergammle ich viel zu viel Zeit.
Man nimmt sich ja immer vor, dann endlich all die liegen gebliebenen Sachen zu erledigen, tatsächlich schiebt man: ach das kann ich ja morgen noch erledigen und wen interessiert es, ob bei mir alles top ist.... Befriedigend ist sowas auch nicht und definitiv irgendwann auch abgearbeitet. Schwer ist es sich von erledigtem zu Trennen, bei mir sind das alte Seminarkonzepte, alte Fachbücher usw., aber auch Dinge aus meinem bisherigen Leben, die inzwischen überholt sind und wo ein Neuaufbruch gestartet werden muss.
Was suche ich noch?
Ich möchte unter Menschen sein, ich will was sinnvolles machen, ich möchte mich nicht nur in meiner Alterskohorte bewegen, ich möchte noch neues entdecken... im Grunde bin ich im selben Zustand wie nach meinem Studium. Da wusste ich auch nicht wo mein Weg hingehen soll. Damals hat mir das Malen geholfen, vielleicht sollte ich das wieder anfangen.Auf der Art Karlsruhe habe ich eine 84 jährige Künstlerin getroffen, die mir wieder richtig Mut gemacht hat, dass man auch im Alter einen sinnvollen (für mich wieder kreativen) Weg gehen kann. Es bleibt spannend.



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