Amüsieren wir uns zu Tode - um Neil Postman zu zitieren

Ich hatte gerade den Plus-Minus Podcast zu Shoppingcenter gehört und musste den Klassiker wieder herausziehen, der 1985 schon dieses Thema aufgriff und eine Zukunft beschrieb in der die Medien all unsere Wahrnehmung bestimmen und damit auch unsere Urteilbildung beeinflussen. Er konnte noch nichts von der Viralität von Fake News usw. wissen, aber er hat es quasi vorausgesehen. 

Was hat mich veranlasst jetzt zu schreiben. In dem Beitrag ging es um den Niedergang der Shoppingcenter und wie sie sich retten lassen. Offensichtlich dadurch, dass Lebensmittelgeschäfte und Ärzte integriert werden, aber das allein reicht letztendlich auch nicht. Ein Heilmittel sind ganze Etagen für Indoorspielplätze, Fitnessstudios, Ausstellungsräume, kleine Bäckereien, Cafes, Gaststätten usw. Dieses Konzept versucht man auch in Heilbronn im Wollhaus, einem Shoppingcenter aus den 60iger Jahren, das als Denkmal nicht abgerissen werden kann, aber auf eine neue Nutzung mit Publikumsbesuch wartet. Wir sind gespannt ob das klappt.

ein kommerzielles Spielecafe
in Heilbronn
Eigentlich sind mir die Shoppingcenter egal, ich gehe schon länger nicht mehr in Läden einkaufen. Was mir aber schmerzlich fehlt sind Treffpunkte, an denen man einem Hobby nachgehen kann, ohne horrende Eintritte. So sucht unser seit Jahren bestehender Spielekreis (http://heilbronnspielt.de/Startseite) nach Räumlichkeiten, die wir nutzen können ohne dafür Miete bezahlen zu müssen, denn dieser Spieletreff ist, komplett kostenlos, wir wollen auch keine Gebühren verlangen. Gar nicht so einfach dafür einen Raum zu finden für offene Angebote. Aber es gibt ein Startup Spielecafe in Heilbronn: Unschlagbar...

Was mir aber immer mehr auffällt ist, dieser Eventcharakter, das alles haben muss, wenn Menschen angelockt werden sollen. Dem Weinbau geht es schlecht, also ersticken wir in Events, die in den Weinbergen stattfinden. Ob das den Weinbau rettet ist fraglich, die Steilhänge (eine Augenweide) werden gerodet, weil sie schwer zu bewirtschaften sind und kaum etwas verdient wird damit. Dann bleibt die Frage, wollen wir wirklich ständig mit dem Weinglas in der Hand durch die Weinberge laufen und bespaßt werden? Tritt da nicht auch bald eine Sättigung ein und wir wünschen uns was neues. Oder freuen wir uns auf die vielen Sommerzonen, wo wir unser Weinchen im freien, meist nur bis 22 Uhr, in gesellgier Runde trinken können? Verdienen die Betreiber genug um, diesen Aufwand aufrecht zu erhalten?

Ich merke es bei mir, ich gehe gern in Museen, aber zu viel davon ermüdet. Irgendwie muss es ein Highlight bleiben, sonst ermüdet es. Im Grunde kämpfen auch die Museen um Besucher, auch sie müssen ihr Konzept verändern, damit die Menschen es noch spannend finden. Es wird weniger, aber anschaulicher gezeigt, man kann viel mehr anfassen und mitmachen, damit werden vor allem Kinder  angesprochen, aber auch taktil neugierige Menschen wie ich. 

Was machen wir wenn wir viel freie Zeit haben, z.B. als rüstige Rentner? Wir gondeln in der Gegend umeinander. Unsere regionale Renterausflugsgruppe, ist alle zwei Wochen unterwegs und erkundet die städtische Umgebung, Highlight ist das gemeinsame Essen gehen vor Ort und je nach Ort zu dem gefahren wird, besteht die Möglichkeit eines Museumsbesuchs oder einer Stadtbesichtigung. Es gibt einen harten Kern, der sich tapfer wirklich alle zwei Wochen auf Fahrt begibt. Aber ist das sinnstiftend oder einfach nur Ablenkung, die im Grunde beliebig ist, nur um die freie, leere Zeit zu füllen?

Sind nicht alle diese Events, Zeitfüller weil wir sie anders nicht sinnvoll füllen könnten? Oder ist es die moderne Form der Geselligkeit, die modere Möglichkeit sich zwangslos zu treffen. Miteinander machen nur die was, die in einer Gruppe hingehen, die Einzelnen bleiben auch da allein...





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