Impression beim Spielen von Gesellschaftsspielen
Wir hatten mal wieder RegVor, das heißt die regionale Qualifizierung für die deutsche Brettspielemeisterschaft. Zu dieser Meisterschaft gehe ich nun schon seit 14 Jahren. Verrückt wie schnell sich bestimmte Ereignisse häufen und man plötzlich viele Jahre daran teilgenommen hat.
Diese Meisterschaft hat sich seit den Anfängen für meine Begriffe verändert. Spiele werden heute viel ernster, viel mechanischer gespielt. Man begreift es eher als eine Sache, die man abarbeitet, über allem steht der Wettbewerb und das Gewinnen. Das ist schön für Menschen, die gern im Wettbewerb stehen. Meine Welt ist die Wettkampfsituation nicht und so ist in den letzten Jahren meine Rolle im Turnier, der vierte Sieger von 4 Teilnehmern zu sein. So richtig Freude macht das nicht und man fragt sich was man eigentlich zwischen all den Siegern und Ambitionierten macht. Und wie ich gerade so richtig am resignieren war, komme ich in eine Gruppe mit lauter Menschen, die sich völlig anders verhalten. Und beeindruckt hat mich ein älterer Herr.
Wir haben im Turnier u.a. das Brettspiel Flügelschlag gespielt. Bei diesem Spiel geht es darum Vögel in ihren verschiedenen Lebensräumen zu sammeln und Eier legen zu lassen, damit man gewinnen kann. Dieses Spiel ist eines der beliebtesten Gesellschaftsspiele momentan. Ich fand das Spiel immer schrecklich, es war für mich nur die "Blöden Vögel". Wir spielen also so munter los, es war das letzte der vier Turnierspiele, deshalb sind wir alles etwas gelassener angegangen. So suchte sich der ältere Herr gezielt Vögel aus, achtete nicht darauf ob sie später Siegbedingungen erfüllen. Er freute sich, wenn er genau diesen Vogel in seine Auslage legen konnte. Schaute sie sich intensiv an und wir spielten so, dass auch unsere Gegner von unseren Aktionen profitieren.
Ich war geplättet, es war möglich sich diesem Wettbewerb zu entziehen und mit Freude und Muße das Spiel anzugehen, in die Spielewelt einzutauchen. Das Thema zieht einen rein und man geht darin auf. Wie unterschiedlich man Gesellschaftsspiele spielen kann. Wobei die Anzahl derjenigen, die das Spiel wegen der Thematik, wegen den schönen Bildern und der haptischen Illusion spielen, nicht ganz so groß ist.
| Mea Culpa |
Alle Züge durchrechnen, nur auf die eigenen Vorteilskarten zu sehen, den anderen für sie vorteilhafte Züge verbauen, das kann ich nicht so richtig. Macht mir auch wenig Freude. Nicht umsonst bin ich Chorsängerin, da zählt das gemeinsame Ergebnis und nicht die herausragende Einzelleistung.
Ich erlebe Strategiespieler auch als sehr ehrgeizig und in die eigene überragende Spieleleistung verliebt. Auf die anderen schaut man heimlich herunter, bzw. gibt sich gar nicht mehr mit denen ab. Ich schätze die Spieler, die alles spielen und auch mit Begeisterung bei einfachen Spielen dabei sind. Da lässt es sich entspannt spielen und man hat eine aktive Alternative zu dem großen Ablenkungs- und Entspannungsmedium: Fernsehen. Ein gutes thematisches Spiel ist abendfüllender als viele Fernsehfilme.
| Hamburgum |

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