Das Bildungshaus darf wieder Schulungen beherbergen...

Nach langer Zeit habe ich wieder ein Seminar in Mosbach, dem Bildungshaus von Verdi gegeben. Ich bin gern dort es ist ein gut ausgestattetes Bildungshaus, mit leckerem Essen, confortablen Zimmern und einer gemütlichen Trinkstube für die obligatorische "Wirtschaftskunde" am Ende der Seminartage. 

Bedingt durch den Wind wurde innen getestet

Jetzt herrschen aber Coronabedingungen und die verändern sehr viel. Man passt sich an.

Das fängt damit an, dass man mit einem Coronatest startet, ohne Test kein Eintritt in das Gebäude. Entsprechende Zelte sind vor dem Eingang aufgebaut. Im Haus sind die Wege vorgegeben, damit man sich möglichst wenig begegnet. Es gibt keine öffentlichen Toiletten mehr, man muss für den Toilettengang in sein Zimmer gehen. Im Speisesaal wird man an einen festen Platz geführt, den man für die gesamte Seminarzeit hat. Trennscheiben zwischen den Sitzenden. Das wunderbare Büffet gibt es nicht mehr, man bekommt alles an den Platz serviert. Essen in "Isolierung" dieses sich zwanglos einen Platz suchen und miteinander ins Gespräch kommen gibt es nicht mehr. Die Trinkstube und alle sonstigen Möglichkeiten wie Kegelbahn usw. sind zu. Also es fehlt viel von dem Reiz, den das Bildungshaus ausmachte, z.B. bin ich so vor Jahren mit einer Bikergruppe ins Gespräch gekommen, das war sehr interessant. Geht jetzt nicht mehr man schmort im eigenen Saft.

Trennwände - man sieht sich

Was war unser "Saft" - ich hatte eine Jugendlichengruppe denen ich selbstsicher auftreten und gutes informieren vermitteln sollte. Als ich bei der Auftragsvergabe Jugendliche als Zielgruppe hörte, begann bei mir schon die Panik, denn Jugendliche sind als Gruppe sehr schwer zu schulen. Einzeln sind sie ganz liebe Menschen, aber wehe sie treten in einer Gruppe auf, dann kann man schlecht vorhersagen in welche Richtung es gehen wird. Bei Jugendlichen gilt noch mehr als bei Erwachsenen, da muss der Meinungsführer überzeugt werden, sonst hat man verloren und keiner macht dann noch mit. Selbst wenn es einzelne interessieren würde geben auch diese dem Gruppendruck nach und verhalten sich wie man es in der Gruppe von ihnen erwartet. 

Die vorherrschende Stimmung in Jugendgruppen ist "wie langweilig", interessiert mich nicht, Lehrer davon hab ich die Schnauze davon voll. Also kämpfe ich als Dozentin dagegen an, versuche sie aus der Reserve zu locken, versuche Angebote zu machen, bei denen ein Funke von Interesse überspringen könnte. Aber es ist sehr schwer, noch dazu als älterer Mensch, der von vorn herein als Auslaufmodell gesehen wird. Von dem man eigentlich nichts lernen möchte, da es aus der Sicht der Jungen sowieso überholt ist. Und sie sich nicht vorstellen können, dass diese Alten auch mal jung und rebellisch waren.

Eingangshürden
alles geregelt









Der zentrale Punkt bei einem Seminar ist die Kennenlernrunde, da sollten sich die Menschen öffnen, denn so werden Kontakte, Interessensgemeinschaften und Zusammenarbeit im Seminar geschaffen. Ich erfahre viel über die Teilnehmer, das benötige ich im Verlauf des Seminars, um die Theorie mit passenden Beispielen zu versehen. Da war ich dann doch etwas geschockt, wie wenig Interessen in diesem jugendlichen Alter da waren. Man kann es auf saufen, chillen mit und ohne Freunde, Shisha rauchen und Fitnessstudio begrenzen.  Es war kein einziger dabei, der sich in einem Verein engagierte, früher wurde oft Fußball oder sonstiger Mannschaftssport genannt. Da gab es nichts dergleichen. Vielleicht ist es auch ein kulturelles Problem, da die meisten Teilnehmer aus türkischen Familien kamen, vielleicht ist man da mehr im Familienkreis und weniger in Vereinen, die vielleicht eher ein deutsches Phänomen sind. Bei den erwachsenen Teilnehmern ist es immer anders, da sind vielfältige Interessen da, das macht eine Vorstellungsrunde spannend, bei den Jugendlichen war sie in der Tat langweilig.

viele Verbote
Aber durch Corona blieb sowieso wenig Seminarzeit übrig, da wir allein durch die Testerei, statt um 17 Uhr um 17.45 Uhr anfangen konnten. Um 18 Uhr mussten wir beim Essen sein, mit dem wir bis 19 Uhr knapp fertig wurden, um dann wieder in die Seminararbeit einzusteigen. Den Jugendlichen machten diese erzwungenen Verzögerungen garantiert Spaß, da konnte man mit den Kumpels sich so beschäftigen wie man es immer macht, Essen war blöd, weil man zugewiesen wurde und nicht da hin konnte wo man gern sich hingesetzt hätte. Da natürlich nach Seminarende zusammen gefeiert wurde und dies bis in die Morgenstunden, wurde sehr zum Leidwesen der Küche des Bildungshauses auf das Frühstück und später auf das Mittagessen verzichtet (das Bildungshaus musste die überzähligen Frühstücke und Mittagessen wegwerfen). Dann wollten die Jugendlichen schnell heim und den verpassten Schlaf nachholen.

So war es ein sehr anstrengendes Seminar für mich, denn die Aufmerksamkeit von Jugendlichen zu erlangen ist Schwerstarbeit, Lehrer bin ich nicht, sondern eher sowas wie ein Entertainer.... aber ich bin auch um eine Erfahrung reicher heimgefahren: nämlich zu Schulen unter behördlichen Auflagen mit eingeschränkten Möglichkeiten.







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